Beten wir wirklich fast täglich die alten Götter an?

Die Tage vergehen einfach schnell. Ich wollte diesen Blogbeitrag bereits im April posten, aber der Monat hatte einfach nicht genug Tage. Apropos Tage, wussten Sie, dass die Namen unserer Wochentage auf Deutsch und Dänisch denselben Ursprung haben? Auch hier wird uns vor Augen geführt, dass unsere Sprachen – und damit größtenteils auch unsere Kulturen – sich sehr ähneln.

Aber vorerst ein kleiner Exkurs in die Geschichte…

Ursprünglich bestand die Woche nicht nur aus 7 Tagen, sondern aus 5 bis 10 Tagen, je nachdem woher man kam. Unser jetziger Kalender soll von den Römern stammen, die die Tage der Woche nach den Namen der 7 sichtbaren Planeten benannten: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn. Dies sind gleichzeitig die Namen der römischen Götter, und es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen den römischen und den germanischen Göttern, wie wir noch sehen werden.

Als die Germanen die Siebentagewoche von den Römern übernahmen, widmeten sie einige der Wochentage ihren eigenen Göttern: Tyr (Dienstag), Donar/Thor (Donnerstag) und Frija/Frigg (Freitag). Die Namen der Wochentage sind auf Deutsch und Dänisch immer noch nahezu identisch, Ausnahmen sind Mittwoch und Samstag, die unterschiedlich benannt wurden.

Im römischen Kalender wurde der Montag nach dem Namen für Mond, „Luna“,  benannt, auf Dänisch sieht man dies in „mandag“, der früher „månedag“ (Mondtag) hieß. Eindeutiger erkennt man es im deutschen „Montag“.

Dienstag („tirsdag“) wurde nach dem germanischen Gott Tyr benannt. Auf Römisch bekam der Tag den Namen „dies Martis“, „Tag des Mars“. Allerdings ist der römische Gott Mars nicht ganz identisch mit dem germanischen Gott Tyr, beide sind zwar Kriegsgötter, aber Tyr ist auch der Gott der Gerechtigkeit. Dass Tyr in Dänemark ein wichtiger Gott war, sieht man heute noch in einigen Ortschaften in Dänemark, die wahrscheinlich nach ihm benannt sind, wie zum Beispiel Tisvilde, einem bekannten Urlaubsort im Norden Seelands.

Der Mittwoch („onsdag“) ist in Dänemark nach dem nordischen Gott Odin (Wodan) benannt, der dem römischen Merkur entspricht. Auf Deutsch geht der Tag allerdings auf eine alte Zählung der Wochentage zurück, und der dritte Wochentag ist somit der mittlere Wochentag – Mittwoch.

Donnerstag („torsdag“) wurde dem nordischen Gott Thor/Donar gewidmet. Im römischen Kalender wurde der Tag nach Jupiter, dem Planeten bzw. dem Gott des Donners, benannt. Thor ist in der nordischen Mythologie der Gott des Donners. Hier wird die starke Ähnlichkeit der alten Götter unterschiedlicher Volksstämme deutlich.

Der Freitag („fredag“) ist nach Frigg/Frija, der Göttin der Liebe, benannt. Im römischen Kalender heißt dieser Tag „dies Veneris“, der Tag der Venus. Die Germanen fanden wohl auch hier wie die Römer Gefallen an der Idee eines Gottes bzw. hier einer wichtigen Göttin, die sie für den Tag verwenden könnten.

Der Samstag („lørdag“) scheint wohl früher in Dänemark der Tag der Körperwäsche gewesen zu sein, der auf altnordisch „laur“ oder „løgh“ zurückgeht, was so viel wie Bad oder Wäsche bedeutet. Auf Deutsch ist der Name dieses Tages entweder nach dem römischen Kalender benannt, „Tag des Saturn“ oder nach dem Hebräischen „schabbath“, was so viel wie Ruhetag bedeutet. Der Samstag war früher der Ruhetag, aber mit dem Konzil von Nicäa wurde der Sonntag als christlicher Ruhetag festgelegt.

Der Sonntag („søndag“) ist der Tag der Sonne, altnordisch „sunnudag“. Die Germanen haben diesen Tag nach der Sonne benannt, was noch klarer im Englischen zu sehen ist, Sunday.

Wenn Sie also nächstes Mal einen Wochentag aussprechen, so beten Sie möglicherweise einen der alten heidnischen Götter an…

Quellen:
http://historienet.dk/kultur/sprog/hvor-kommer-ugedagene-fra
https://da.wikipedia.org/wiki/L%C3%B8rdag
http://www.glemsom.dk/kalender/ugedage.htm
https://www.kc-hil.dk/reditem/itemdetail/272-danske-symboler-for-ugedagene
http://danmarkshistorien.dk/leksikon-og-kilder/vis/materiale/tyr/

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